Der Takt macht den Galopp

Reiten ist nicht einfach drauf sitzen und sich tragen lassen. Und genauso, ist nicht jedes Pferd von Geburt an Grand Prix-Pferd. Der Weg dorthin ist lange und beinhaltet eine korrekte Ausbildung des Pferdes. Und dafür ist die Skala der Ausbildung da. Was diese Ausbildungsskala ist, habe ich in diesem Artikel erklärt. Nun kommen wir zum ersten Punkt der Skala: Was ist Takt und wie kann man ihn verbessern?

Die Basis der Ausbildung: Der Takt

“Takt ist das räumliche und zeitliche Gleichmaß in den 3 Grundgangarten, also in Schritten, Tritten und Sprüngen.” [Richtlinien für Reiten und Fahren: Band 1] Dementsprechend ist ein guter Takt, wenn das Pferd im gleichen Rhythmus mit allen Hufen abfußt, und jedes Bein gleichweit nach vorne tritt. Der Bewegungsablauf bleibt konstant der gleiche. Und das nicht nur auf der geraden Linie. Auf gebogenen Linien, in Übergängen, in Seitengängen, Lektionen – der Takt der Gangart bleibt erhalten. Für eine gelungene Ausbildung und das korrekte Reiten von Lektionen ist der Takt eine unumgängliche Basis. Doch was genau ist jetzt der richtige Takt? Um das beurteilen zu können, sollte man die 3 Grundgangarten in all ihren Tempi gut kennen.

Schritt: Nicht umsonst eine wichtiger Faktor beim Reiten

Alles beginnt in der ersten Gangart, dem Schritt. Von vielen nicht so ernst genommen, ist er aber enorm wichtig, und zeigt schnell auf, was in der Durchlässigkeit nicht stimmt. Der Schritt ist eine Bewegung im Viertakt, die schreitend ist. Da es sich um Schritte und nicht Tritte, oder Sprünge handelt, gibt es im Schritt keine Schwebephase. Das Pferd fußt dabei nacheinander diagonal-lateral ab. Das heißt, dass es bei jedem Schritt die Seite wechselt. Die Abfolge ist dann wie folgt: Hinten links, vorne rechts, hinten rechts, vorne links. Wichtig zu wissen ist, dass das Pferd nicht gleichzeitig abfußt. Fußt er hinten ab, so schreitet der vordere Huf erst ab, wenn das hintere Bein wieder auf dem Boden ist. Somit formen die Beine auf einer Seite phasenweise ein “V”. Fehlerhaft ist es, wenn der vordere Huf noch während der Bewegung des hinten abfußt. In dem Fall spricht man vom Pass, einer fehlerhaften Gangart. 

Die Tempi des Schritt sind Mittelschritt, versammelter Schritt und starker Schritt. Der Mittelschritt kann als “Status Quo” gesehen werden. Er wird auch als der natürliche freie Schritt des Pferdes bezeichnet. Mittelschritt zeichnet sich dadurch aus, dass die Hinterhufe über die Spur der Vorderfüße hinaus auftreten. Die Anlehnung ist weich, während der Reiter die Nickbewegung des Pferdes zulässt. 

Der starke Schritt ist die Erweiterung des Mittelschritts. Dabei muss die Bewegung deutlich erkennbar raumgreifender als der Mittelschritt sein. Wichtig zu beachten ist, dass der Schritt deswegen nicht eiliger im Takt wird. Es soll immer noch eine schreitende Bewegung sein. 

Der versammelte Schritt, ist wie der Name schon verrät in der Versammlung. Dabei fußt das Pferd mit den Hinterhufen höchsten in die Spur des Vorderhufes. Durch die Versammlung ist eine stärker Hankenbeugung erkennbar, das Pferd ist mehr aufgerichtet und schreitet erhabener, ohne den Takt zu verlieren.

Tipp für den Schritt:

Den Schritt reiten: Viele (ich nehm mich da selbst auch nicht immer raus) sehen den Schritt als eine Gangart, in der sie nichts machen müssen. Doch Schritt ist enorm wichtig, weil er die Basis ist. Nicht ohne Grund wird der Schritt in vielen Dressuraufgaben doppelt bewertet (2x-fache Anzahl der Bewertungsnote). Statt das Pferd einfach irgendwie laufen zu lassen und nicht wirklich Mittelschritt, aber auch nicht Versammelten zu reiten, geht es auch anders: Einfach konzentriert das Pferde im Fleiß und Takt halten. Und vor allem bewusst reiten: Möchte ich Mittelschritt oder Starken Schritt reiten? Ist das ausreichend Versammlung für den versammelten Schritt? Befindet sich das Pferd in einem guten, gleichmäßigen Takt?

Trab: Der Schwung im Rücken

Eine schwunghafte Bewegung im Zweitakt. Der Trab besteht aus vier Phasen, bei denen das Pferd diagonal tritt. Es wird mit dem diagonalen Beinpaar nach gleichzeitig nach vorne getreten und wieder gleichzeitig abgesetzt. Zwischen den zwei Takten liegt ein kurze Schwebephase, in dem kein Huf am Boden ist. Ein idealer Trab ist fleißig, raumgreifend, schwungvoll und mit aktiver Hinterhand.

Der Trab hat die Tempi Arbeitstrab, Mitteltrab, versammelten Trab und starken Trab. Beim Trab ist der Arbeitstrab der “Status Quo” mit dem gebräuchlichsten Tempo. Der Takt des Arbeitstrabs sollte, ganz dem Namen entsprechend, fleißig sein.

Der Mitteltrab ist eine Erweiterung des Arbeitstrabes, durch den größer werdenden Raumgriff. Das Pferde entwickelt Schub in der Hinterhand und schwingt über den Rücken nach vorne, ohne den Takt eiliger werden zu lassen. Der Reiter schiebt die Hände geringfügig nach vorne zum Pferdemaul, um die Rahmenwerweiterung zu ermöglichen. Zum Mitteltrab gehört auch “Tritte verlängern” was eine Vorstufe zu ihm ist. Damit sollen die Pferde an den Mitteltrab herangeführt werden. 

Der versammelte Trab, ist wie im Schritt, die versammelte Version der Gangart. Die Hinterbeine weisen eine deutliche Hankenbeugung auf, aus der sie kraftvoll von hinten nach vorne treten und durch das vermehrte treten unter dem Schwerpunkt des Pferdes eine Aufrichtung der Vorderhand erzeugen. Der Raumgriff wird dadurch verkürzt, ohne das Fleiß und Takt verloren gehen.

Der starke Trab ist die höchste steigerung an Raumgriff im Trab. Es soll die größtmöglichste Rahmenerweiterung, Schub und Schwung erreicht werden. Er ist er mit dem gelingen des versammelten Trabs möglich, da durch die Hankenbeugung der möglich Schub aus der Hinterhand erreicht wird. Ist dieser nicht da, fällt das Pferd zu sehr auf die Vorhand. 

Der Takt im Trab: Ein gleichmäßiger Zwei-Takt

Tipp für den Trab:

Im Trab ist vor allem eines  wichtig: der Schwung im Rücken. Dieser ist nur gegeben, wenn das Pferd losgelassen ist. Die Losgelassenheit kann durch eine feste Anlehnung oder einen festen Rücken blockiert werden. In diesem Fall gilt es, diesen locker zu bekommen. Das geht vor allem mit vielen Übergangen, Schlangenlinien mit wechselnder Stellung und Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen. Wichtig ist: Das Pferd ist innerlich und äußerlich entspannt und all seine Muskeln, Gelenke und Sehnen aufgewärmt. Physiotherapeutin Alena Kraft empfiehlt dafür das ausreichende Aufwärmen.

Galopp: Schneller, erhabener Sprung

Galopp ist die bewegungsreichste Gangart. Mit Sprüngen bewegt sich das Pferd in einem Dreitakt, mit einer deutlichen Schwebephase. Dabei ist der Galopp die einzige Gangart, in der es zwei Variationen gibt: Dem Links-Galopp und dem Rechts-Galopp. Die unterscheiden sich in der Reihenfolge der Fußbewegungen. Im Links-Galopp triit das hintere rechte Bein als erstes auf. Dann diagonal das hintere linke und das vordere rechte Bein gleichzeitig, bevor als drittes und letztes, das linke Vorderbein zu Boden kommt. Die anschließende Schwebephase bildet die sechste und letzte Phase. Diese sollte klar erkennbar sein, sonst spricht man vom “Traloppieren”, eine negative Bezeichnung, für einen Galopp, der nicht fleißig genug ist. Das Pferd sollte im Galopp fleißig, schwungvoll, regelmäßig und mit freier Schwebe abspringen. 

Die Tempi des Galopps sind Arbeitsgalopp, Mittelgalopp, versammelter Galopp und starker Galopp. Wie im Trab ist der Arbeitsgalopp die Grundlage. In einem deutlichen Dreitakt, soll das Pferd pro Galopp-Sprung etwa eine Pferdelänge nach vorne springen. 

Im Mittelgalopp wird der Bodengewinn und der Rahmen des Sprunges erweitert. Wie im Mitteltrab gibt es auch hier “Galoppsprünge verlängern” welche nach dem gleichen Prinzip wie im Trab vorgehen.

Der versammelte Galopp ist in der Versammlung, und weist die deutlichste Hankenbeugung auf. Die deutlich unterspringende Hinterhand nimmt die Last auf, und lässt den Sprung erhabener werden. 

Der starke Galopp ist das Tempi mit dem höchstmöglichen Bodengewinn. Gegenüber dem Mittelgalopp soll eine klare Steigerung im Raumgriff erkennbar sein. Auch wie in der Trab-Version setzt der starke Galopp die Versammlung voraus.

Tipp für den Galopp:

Für einen guten Sprung bedarf es kräftige Beine. Das gilt auch für den Galopp von Pferden. Um den Sprung im Galopp zu verbessern, bedarf es Kraft in der Hinterhand, dem Motor des Pferdes. Um diese zu entwickeln, bedarf es Muskel-Training. Dieses geht am einfachsten wenn beim nächsten Ausritt nicht über die gerade Fläche, sondern bergauf, und bergab galoppiert wird. Doch dies nicht gleich übertreiben. Je nach Ausbildungsstand des Pferdes sich herantasten und die Länge des Bergauf- und Bergab-Galopps langsam erhöhen. 

Allgemeine Tipps für einen besseren Takt:

  • Jedes Pferd hat einen idealen Takt in allen Gangarten. Sie können von sich aus diesen bereits anbieten, oder sie lassen sich zu diesem erst hinführen. Wir als Reiter haben die Aufgabe, genau diesen zu finden und die Pferde zu diesem zu führen. Dabei aber nicht über das Ziel hinaus schießen. Denn es gibt auch für jede Gangart einen zu eiligen Takt, in dem das Pferd Losgelassenheit und Schwung nicht entwickeln kann. In allen Fällen kann es helfen, den Takt im Kopf oder einfach laut mitzuzählen. Somit konzentrieren wir aus auf den wichtigen Faktor Gleichmaß. 
  • Was macht die Hand? Viele Taktfehler vom Pferd gehen auf das Konto des Reiters, besonders auf das der Hand. Eine zu feste oder nicht existierende Anlehnung kann das Pferd im Rhythmus oder in der Vorwärtsbewegung stören. Besonders in Tempi mit Rahmenerweiterung kann eine zu feste Hand blockierend wirken. Deshalb auf eine ruhige, weiche und federnde Verbindung zwischen Hand und Pferdemaul achten, bei der die Hand unabhängig vom Sitz agiert.
  • Genau wie die Hand und die Anlehnung zum Störfaktor werden kann, so ist es auch der Sitz des Reiters. Durch einen unausbalancierten Sitz, ein falsches Mitschwingen, oder durch eine entgegenwirkende Bewegung kann der Takt des Pferdes massiv gestört werden. Der Reiter muss einen guten Takt durch seinen Sitz ermöglichen, und sogar fördern. Wie ist der eigenen Sitz? Blockiere ich vielleicht durch ein Klammern den Schwung? Sitze im Galopp etwas schief? Es kann nie schaden immer wieder Übungen für einen besseren Sitz zu machen. In diesem Artikel habe ich 11 Übungen für einen besseren Sitz. 

Der Takt: die Basis der Ausbildung

Zwar ist der Takt die erste Stufe der Ausbildungsskala, er ist aber gleichzeitig die Basis, zu der wir immer wieder zurückkommen. Denn jeder Lektion wird nicht gut genug gelingen, wenn der Takt nicht stimmt. Deshalb ist es nicht verkehrt, diesen immer wieder zu überprüfen und anzupassen. Im nächsten Teil der Serie geht nehmen wir die zweite Stufe der Ausbildungsskala unter die Lupe: die Losgelassenheit. 

Bis dahin,

lasst es euch und euren Pferden gutgehen,