Die Stallapotheke für den Notfall

Schürfwunden, Prellungen, Fieber – wenn das Pferd Verletzungen oder Krankheitssymptome aufweist, besteht Handlungsbedarf. Vieles kann man bereits selbst versorgen, bevor der Tierarzt gerufen wird. Dafür wird aber eine allzeit bereite Stallapotheke benötigt. Was in dieser enthalten sein soll, und weitere wichtige Fakten, könnt ihr hier lesen. 

Ab wann kommt die Stallapotheke zum Einsatz?

Zunächst einmal muss bestimmt werden, ob die Stallapotheke überhaupt gebraucht wird. Bei offenen Wunden und Verletzungen ist es leicht erkennbar, aber wie sieht es mit Erkrankungen aus? Ab wann ist mein Pferd krank? Die ersten Anzeichen für ein Unwohlbefinden des Pferdes erkennt man daran, dass es trotz bereitstehendem Futter nicht frisst oder trinkt. Da sollten die ersten Alarmglocken bei Pferdebesitzern schrillen. 

Weitere Symptome können sein: 

  • Pferd verkrampft sich, ist apathisch oder unruhig
  • Schwitzen ohne Anstrengung
  • Mistet nicht oder hat Durchfall
  • legt sich ungewöhnlich viel hin
  • “stumpfer”/”matter” Ausdruck der Augen

Spätestens jetzt können die PAT-Werte im Ruhezustand (Puls, Atmung, Temperatur) überprüft werden. Diese liegen bei einem Pferd bei 

Puls: 28 – 40 Schlägen pro Minute (Abtasten am Mittelfuß oder hinter der Ganasche)

Atmung: 8 – 16 Atemzüge pro Minute (Beobachtung der Flanke)

Temperatur: 37,5 – 38,2° C (Messbar mit Fieberthermometer im After)

PAT-Werte sind wichtig um zu wissen , ob die Stallapotheke gebraucht wird.
PAT-Werte sind wichtig um zu wissen , ob die Stallapotheke gebraucht wird.

Liegen diese Werte außerhalb der Norm, so sind das Indizien, die helfen, die richtige Behandlung zu wählen. Zur genaueren Bestimmung kann es helfen, wenn du diese Werte im gesunden Zustands deines Pferdes kennst. Diese können notiert werden und im Ernstfall mit den aktuellen verglichen werden. Für die Behandlung selbst braucht es dann die Stallapotheke. Der Inhalt gliedert sich dabei in diese 4 Bereiche:

Der Inhalt der Stallapotheke:

1. Dokumente

  • Übersicht der PAT-Werte (kann helfen, wenn die Zahlen nicht mehr ganz so frisch im Gedächtnis sind)
  • Auflistung sämtlicher Kontakte: Pferdebesitzer, zuständiger Tierarzt, zuständiger Hufschmied und Tierklinik
  • Liste mit aktuellen Impfstand (teilweise wichtig für Auswahl der Medikamente)

2. Verbandsmaterial

  • Haftbandagen
  • Selbstfixierende Bandagen
  • Verbandsmull
  • Sterile Kompressen (zur Wundsäuberung)
  • Unsterile Kompressen (zum Aufpolstern und Befestigung von Salben)
  • sterile und unsterile Wundabdeckung in verschiedenen Größen
  • Mullbinden zum Fixieren
  • Gewebeklebeband (auch “Panzertape”) für Hufverbände
  • Pflasterklebeband
  • Latexbandagen
  • Bandagierwatte

3. Medikamente

  • Desinfektionsspray (Blauspray) und Desinfektionstücher
  • Desinfektionsmittel (z.Bsp. Betaisodona oder Povidon-Jod / Jodtinktur) zum Anmischen
  • Salbe für feuchte Hautwunden (z.Bsp. Zinksalbe)
  • Salbe für trockene Hautwunden (z.Bsp. Panthenolsalbe)
  • Antiseptikum für Umschläge und Verbände (z.Bsp. Rivanol Lösung)
  • Mittel gegen Kolik (Colosan)
  • Kühlgel für Schwellungen ohne offene Wunde
  • Heilerde / Mineralerde für Sehnen, Bänder, Muskeln, Gelenke)

4. Sonstiges

  • Fieberthermometer
  • gebogene (rostfreie) Verbandschere
  • normale Schere
  • Einmal Handschuhe
  • Pinzette
  • Nasenbremse
  • Einwegspritzen
  • Zeckenzange
  • Kühlpacks
  • eventuell Taschenlampe (aber mittlerweile in jedem Smartphone enthalten)

Wer die Extrameile gehen möchte und wirklich auf alles vorbereitet sein will, der kann sich diese Gegenstände noch zurechtlegen:

  • Hufbearbeitungswerkzeug (Raspel, Hufeisenabnehmzange, Hufmesser)
  • große, sterile Spritze (ohne Nadel)
  • Kernseife
  • Kochsalzlösung
  • Aluminiumspray
  • Equimyl Emulsion für akutem Juckreiz
  • Blütenessenzen
  • Einwegrasierer
  • saubere Handtücher
  • saubere Schwämme

Was bei der Verwendung der Stallapotheke zu beachten ist

Bei der Behandlung des Pferdes mit der Stallapotheke ist darauf zu achten, dass sämtliche Tuben, Gläser und Behälter richtig geschlossen sind. So kommen keine Bakterien oder Keime dran und sie halten länger. Stichwort Haltbarkeit: Am besten regelmäßig und vor akuter Behandlung checken, ob sämtliche Mittel und Salben ihr Haltbarkeitsdatum überschritten haben. Denn dadurch können sie unwirksam und sogar gesundheitsgefährdend wirken. 

Für Turnierpferde ist es besonders wichtig, die Inhaltsstoffe der Mittel zu kennen. Sollten diese auf der Dopingliste vermerkt sein, sollte bei Anwendung die Karenzzeit beachtet werden. Diese einhalten, um einen Turnierstart unter Doping zu vermeiden. 

Bei der Behandlung selbst ist gute Hygiene essentiell. Vor Behandlung die Hände waschen und Einmalhandschuhe auch wirklich nur einmal nehmen. Als Laie unbedingt vorher informieren, wie welche Wunde versorgt wird. Ist man sich selbst nicht ganz sicher, kann auch der Tierarzt telefonisch um Rat gefragt werden. Dieser entscheidet dann auch, ob die Erstversorgung reicht, oder ob er zur weiteren Behandlung kommen muss.

Bis dahin,

lasst es euch und euren Pferden gutgehen