Sitzübungen für einen korrekten Dressursitz

Nur aus dem richtigen Sitz heraus können die richtigen Hilfen gegeben werden. Das ist Teil der Grundausbildung jeden Reiters. Leider kann dieser nicht über Nacht gelernt werden. Es bedarf viel Übung. Um sich einen guten Dressursitz anzueignen, gibt es aber verschiedene Übungen und Methoden. In diesem Beitrag stelle ich euch den richtigen Sitz vor, sowie elf Übungen, um den eigenen Sitz zu verbessern.

Warum ist der korrekte Sitz wichtig?

Warum ist der Sitz des Reiters so wichtig? Weil er das Fundament jeder Hilfengebung ist. Und diese können nur korrekt gegeben werden, wenn die Basis stimmt. Und deshalb ist er auch der erste große Lernschritt im Ausbildungsweg des Reiters. Er ist nicht nur aus optischen Gründen wichtig, sondern soll in erster Linie dem Pferd ermöglichen, sich in Balance und Harmonie nach der Ausbildungsskala zu bewegen. Besonders in der höheren Ausbildung von Reiter und Pferd ist das gefühlvolle Einwirken des Sitzes entscheidend. Je besser der Reiter sitzt, desto leichter und schneller kann er sich weiterbilden und neue Lektionen lernen. 

Woraus der korrekte Dressursitz besteht:

Im optimalen Sitz ruht das Gesäß im tiefsten Punkt des Sattels und es werden beide Gesäßknochen gleich belastet. Die Oberschenkel liegen leicht nach innen gedreht, so dass das Knie flach am Sattel liegen kann. Die Knie werden soweit zurückgenommen, wie es der Sitz auf beiden Gesäßknochen zulässt. Die Unterschenkel liegen leicht nach hinten liegend am Pferd. Der Absatz ist dann auf der gleichen geraden Linie wie der Rücken und der tiefste Punkt des Reiters. Der Kopf und Oberkörper ist gerade. Die Ellenbogen werden nah am Körper gehalten. Die Unterarme und die Hände werden leicht nach unten gehalten, so dass eine Linie von Pferdemaul über den Zügel zum Ellenbogen entsteht. (Quelle: Richtlinien für Reiten und Fahren Band 1 & 2 ; FN Verlag)

Der Sitz besteht somit aus diesen Faktoren:

  • Schultern: Zurückgenommene Schulterblätter, ohne dass Schultern nach oben gezogen werden. Ellebogen, die nah am Körper getragen werden und nicht zu weit abstehen.
  • Oberkörper: er wird im Gleichgewicht aufrecht und ruhig gehalten. Er passt sich den Bewegungen des Pferdes unterstützend an, ohne durch Übermaß an Bewegung das Gleichgewicht zu verlieren.
  • Hände: Die Hände werden in geschlossener Faust ruhig getragen. Sie ist vom Dressursitz unabhängig und elastisch. 
  • Mittelpositur: Sie schwingt mit der Bewegung des Pferdes durch ein elastischen An- und Abspannen der Rumpfmuskulatur mit. 
  • Knie: Es ist weder mit Druck am Druck am Pferd, noch hat es keinen Kontakt. Es liegt ruhig am Pferd.
  • Unterschenkel: Auch diese liegen am Pferd, ohne dabei zu verkrampfen, abzustehen, oder klopfend auf das Pferde einzuwirken. Die Unterschenkel liegen insoweit nur so an, dass die “Pferdehaare gefühlt” werden. Er ist da, ohne permanent eine Hilfe darzustellen. 
  • Fußgelenke: Sie federn den Schwung, den der Sitz erhält, nach unten über den Absatz durch. Er wird somit nicht künstlich nach unten durchgedrückt. Das Abfedern funktioniert nur, wenn das Knie und die Unterschenkel korrekt anliegen.

11 Übungen für einen besseren Dressursitz

Betrachten wir den Ausbildungsweg des Reiters, so stehen Gleichgewicht und Losgelassenheit als Fundament, als erstes an. Ein guter Sitz ist im Gleichgewicht und losgelassen. Um dies im eigenen Dressursitz zu verwirklichen, können diese elf Übungen helfen:

Gelenke aufwärmen: Nicht nur das Pferd sondern wir als Reiter können uns im Schritt aufwärmen. Dafür lassen wir die Handgelenke, Fußgelenke und unsere Schultern kreisen. Kann jeweils zehn Sekunden in beide Richtungen gemacht werden. Wir lockern und entspannen damit unsere Gelenke.

Bügel weg: Dies kann zu jederzeit oder während des gesamten Trainings gemacht werden. Aus den Steigbügel raus und ohne reiten. Die Bügel an sich könnt ihr hängen lassen, oder über den Sattel vor euch überschlagen. Diese Übung hilft besonders der Balance. Wichtig ist dabei nur, sich nicht durch das Fehlen der Bügel auf das Pferd zu klammern, sondern sich auf die Bewegung einzulassen.

Übungen für den besseren Dressursitz: Bügel überschlagen

Bügel umstellen: Eine weitere Variation mit dem Bügel ist, diesem während des Reitens immer wieder umzustellen. Dadurch wird unsere Balance immer wieder herausgefordert.

Atemübungen: klingt banal, wird aber häufig vergessen. Richtiges Atmen hilft den Körper entspannt zu halten und somit losgelassen zu sitzen. Es hilft in Pausen oder während des Reitens bewusst tief ein- und auszuatmen.

Kopf drehen: Während wir reiten, drehen wir bewusst den Kopf in alle Richtungen. Dabei sollte am besten das Kinn auch leicht angehoben werden. Das fördert Entspannung und Balance gleichzeitig.

Eine Hand heben: Diese Übung kann frei, oder an der Longe probiert werden. Wir nehmen beide Zügel in eine Hand und strecken die andere, mit der flachen Hand, nach oben gerade aus. Dabei diese langsam in allen Gangarten ausprobieren. Mit dieser Übungen ziehen wir vermehrt die Schultern zurück und öffnen den Brustkorb.

Übungen für den besseren Dressursitz: Hände heben

Haltung im Oberkörper: Um bessere unsere Mittelpositur und Balance zu finden, können wir bewusst den Oberkörper im Wechsel vor- und zurücklehnen. 

Seitliche Haltung im Oberkörper: gleiches Prinzip wie bei der vorherigen Übung, nur das der Oberkörper zu den Seiten gelehnt wird.

Hüfte schieben: Um ein besseres Gefühl für unsere Hüfte zu bekommen, können wird diese ebenfalls seitlich hin und her schieben. Dafür gehen wir aus den Bügel heraus und bewegen unsere Hüfte seitlich rüber und soweit runter, wie das Gleichgewicht gehalten werden kann.

Übungen für den besseren Dressursitz: Gesäß verschieben

Ausdrehen der Knien: Mit Ausdrehen meine ich nicht ausrenken, sondern die Bewegung, aus dem locker hängendem Bein, das Knie nach außen zu drehen. Damit wird die Hüfte gelockert und das Bein entspannt.

Arme und Beine locker: In den Pausen während des Trainings die Arme und Beine locker fallen lassen. Dafür am besten aus den Bügel raus und die Zügel fallen lassen. Arme und Beine hängen dann locker und ohne Anspannung nach unten.

Der Dressursitz als Fundament des Reitens

Ein guter Dressursitz ist nicht nur schön anzusehen, sondern ermöglicht Reiter und Pferd die bestmöglichste Bewegung. Problem ist nur, dass sich immer wieder gerne Fehler einschleichen. Auch bei den besten Reitern, entwickeln sich Gewohnheiten, die den Sitz beeinflussen. Deshalb sollten wir uns alle immer wieder beobachten und reflektieren. Es ist absolut keine Schande, mal wieder ohne Bügel zu reiten, oder sich an die Longe nehmen zu lassen, um Sitzübungen zu machen. Denn das Lachen haben am Ende die, die mit dem richtigen Dressursitz ihr Pferd korrekt und harmonisch reiten. 

Bis dahin, 

lasst es euch und euren Pferden gutgehen