Heu-Alternativen

Zunehmende Hitze, immer mehr Trockenheit und dadurch größer werdender Heumangel. Gründe für die steigenden Heupreise gibt es viele. Wenn der Durchschnittspreis für eine Tonne Quaderballen in Deutschland bei 219,13€ liegt* (Stand September 2020), ächzen viele Pferdehalter. Natürlich unterscheidet sich der Preis in jedem Bundesland, aber ein Aufwärtstrend über die letzten Jahre zeichnet sich überall ab. Eine Lösung muss also her. Doch welche Heu-Alternativen gibt es?

Was fehlt mir genau? Bedarf feststellen

Bevor sich nach Alternativen umgesehen wird, sollte jeder Stallbetreiber und Pferdehalter feststellen und wissen, was sein Grundbedarf eigentlich ist. Je nach Offenstall, Pensionsstall, Gestüt oder Eigenhaltung gibt es massive Unterschiede im Mengenbedarf und der generellen Haltung. Wie im Artikel “Pferdefütterung 101 – die Grundlagen” erklärt, hat ein Pferd einen Tagesbedarf an Raufutter von 1,5 kg pro 100 kg Lebendmasse. Gehen wir von dem Durchschnittsgewichts von Warmblutpferden mit 650 kg aus, so ist das ein Tagesverbrauch von 9,75 kg. Bei zehn Pferden im Stall sind das 97,5 kg Heu am Tag. Ein Rundballen wiegt ca. 400 kg, was in unserem Beispiel einen Monatsverbrauch von 7,3 Rundballen Heu ergibt. 

Doch nicht jeder Pferdehalter weiß, wie viel die Pferde im Stall wiegen. Auch ganz abgesehen davon, dass die Fütterung jeden Pferdes nach eigenen Bedürfnissen unterschiedlich ist. Also heißt es beobachten. Wie viele Ballen verfüttere ich im Monat? Wird alles gefressen, oder zertrampeln die Pferde viel? Füttere ich einzelne Portionen, oder ist Heu frei zugänglich? All das spielt eine Rolle. 

Stroh als Einstreu oder Heu-Alternative?

Neben Heu als Raufutter, ist die erste Alternative Stroh. Stroh wird häufig als Einstreu verwendet, kann aber auch als Streckungsmittel bei der Heufütterung verwendet werden. Als Raufutter hat Stroh den Vorteil, dass es weniger Eiweiß und Zucker und insgesamt weniger Energie als Heu hat. Hinzu kommt die längere Kau-Zeit der dickeren Stängel, was zu einer besseren Einspeichelung führt. Deshalb eignet Stroh sich besonders für Pferde auf Diät. Füttert man Stroh als Teilersatz zum Heu, sollten die Werte des Pferdes beobachtet werden. Fehlt es an Eiweißen, können diese mit Bierhefe, Sojaschrot oder Luzerne ergänzt werden. Als Mengenangabe sollte das Pferd nicht mehr als 1 kg pro 100 kg Gewicht täglich fressen. (Bsp.: 650 kg Pferd = max. 6,5 kg Stroh).

Stroh ist aber nicht nur reines Futtermittel, sondern wird auch in vielen Ställen als Einstreu verwendet. Bei Pferden, die auf Stroh stehen, muss der Einzelfall entscheiden, wie viel Heu gefüttert wird. Denn manche Vierbeiner fressen das Stroh permanent und laufen Gefahr, zu viel zu fressen, und andere ignorieren die gelbe Einstreu und warten lieber auf das Heu. 

Das Einzige, was für jegliche Verwendung von Stroh gilt: auf die Qualität achten! Denn Stroh ist viel anfälliger für Schimmel, Pilze und Milben. Oft ist das für Allergiker ein hohes Gesundheitsrisiko. Gutes Stroh ist trocken, goldgelb in der Farbe und hat den typischen Strohgeruch. Qualtitätvolles Stroh kann eine von vielen Heu-Alternativen sein.

Heu-Alternative Luzerne: Vorsicht, viel Eiweiß

Es gibt sie als Cobs oder in Ballen – Luzerne, oder auch Schneckenklee oder Alfalfa genannt, wird schon länger in der Pferdefütterung verwendet. In der aktuellen Heunot gewinnt die aus Asien stammende Pflanze aber wieder vermehrt an Bedeutung. Denn es zählt zu ihren Stärken, dass sie einen hohen Nährstoffgehalt aufweist. Hohe Anteile von Vitamin B6, A, D und E, sowie viel Eisen und Kalzium. Dabei weist das grüne Futtermittel einen hohen Eiweißgehalt auf, ohne jedoch viel Zucker zu haben. Für tragende Stuten und junge Pferde im Wachstum, eine unterstützende und wertvolle Energiequelle.

Bei allen anderen Pferden sollte jedoch aufgepasst werden, dass nicht zu viel Luzerne gefüttert wird. Somit ist Luzerne nur bedingt eine Alternative für Pferde mit Eiweiß-Problemen wie Cushing. Auch sollte dem hohem Gehalt von Eisen und Kalzium mit einer ausreichende Fütterung von Spurenelementen wie Zink oder Selen entgegengewirkt werden.

Da Luzerne zu den preisintensiveren Heu-Alternativen gehört, zählt hier mehr der Aspekt der Heunot. 

Auf der Suche nach Heu-Alternativen

Heu-Alternative Heulage oder Silage? Wo ist der Unterschied?

Der ähnliche Name sorgt oft für Verwirrung. Beide Futterarten sind in Plastikfolien gewickelte Ballen, sind aber dennoch nicht das Gleiche. Der Unterschied bei dem Heugras liegt im Wassergehalt. Während bei Heulage nur bis zu 35% Wassergehalt herrscht, liegt dieser bei Silage um die 65%. Zusätzlich weist Silage einen hohen Wert an Proteinen und einen geringen Rohfaseranteil auf. Die Silage ist für die Fütterung von Pferden ungeeignet, da sie zu einer Übersäuerung führt, die zu ernsten Gesundheitsproblemen führen kann. Somit gehört Silage nicht zu den Heu-Alternativen.

Heulage hingegen ist für die Fütterung geeignet. Besonders für Pferde mit Atemwegsproblemen ist sie förderlich, da ihr Anteil von Staub und Pilzen sehr gering ist. Die bei der Herstellung auftretende Milchsäure-Gärung ist für die Pferde unbedenklich. Als Tagesmenge gilt 6 – 8 kg für ein Warmblut. Es wird empfohlen zur Heusilage Stroh hinzuzufüttern. 

Abwägung zwischen Preis und Angebot der Heu-Alternativen

Im Endeffekt geht es nicht ganz ohne Heu. Jede der Heu-Alternativen hat seine kleinen Tücken, die einen kompletten Verzicht auf Heu nicht möglich machen. Dennoch kann aber eine Zufütterung der Heu-Alternativen die benötigte Menge an Heu reduzieren. Hier gilt es abzuwägen, inwieweit die steigenden Preise, oder der Mangel an Heu das Problem in der eigenen Region sind. Die Faktoren Region, Stallführung, Pferdetyp und Verfügbarkeit sind Faktoren, die die Auswahl stark beeinflussen. 

Der richtige Umgang mit Heu

Generell kann aber auf einen sparsamen Umgang mit Heu geachtet werden. Nicht so viel verfüttern, dass Pferde dieses zertrampeln, oder gutes Heu grundlos wegschmeißen. Bevor wir verschwenderisch mit Heu umgehen, immer bedenken, dass es Pferdebesitzer gibt, denen es aufgrund von Heumangel und zu hoher Preise nicht mehr möglich war, sich diese zu halten.

Bis dahin, 

lasst es euch und euren Pferden gutgehen